kernelschmelze.de

Tach Post!

“Hallo Herr X, wir sind ein Baufinanzierer und w├╝rden gern […]”. Wir alle kennen diese Art von personalisierter Werbung. Genau wie die meisten von uns habe ich solche Briefe fr├╝her einfach entsorgt. Schade um’s Papier. Seit einiger Zeit d├╝rfen sich solche Absender an einer Auskunftsanforderung nach ┬ž 34 BDSG erfreuen. So auch in diesem Fall. Die Antwort kam prompt innerhalb von 15 Minuten. Absoluter Rekord.

Hiermit m├Âchten wir Ihnen versichern, dass die […] keine personenbezogenen Daten von Ihnen gespeichert hat […] Im Zuge des Serviceangebots “Dialogpost” wurden potentielle Interessenten von der Deutschen Post Direkt GmbH f├╝r das Thema Immobilienfinanzierung entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen ausgew├Ąhlt und angeschrieben. […] m├╝ssen wir Sie an die Deutsche Post Direkt GmbH verweisen, da wir die Adressen f├╝r ein einmaliges Mailing lediglich angemietet haben […]

Ich habe mich bis dato noch nicht mit dem Thema Adresshandel besch├Ąftigt und fand das krass, das die Post Direkt GmbH meine Daten vermietet. Aber wie ich gelernt habe funktioniert so Adresshandel.

Bemerkenswert finde ich, das in der Antwort direkt Bezug zu dem Werbeschreiben genommen wird, ohne das ich dies in meiner Auskunftsanforderung erw├Ąhnt hatte. Ich behaupte das meine Daten sehrwohl dort gespeichert sind, wie sollte sonst dieser “spontane” Bezug entstehen?

Egal, was wir uns aber f├╝r sp├Ąter merken ist “f├╝r das Thema Immobilienfinanzierung”.

Man verweist mich also an die Post Direkt GmbH. Ok, Auskunftsanforderung Teil 2. Diesmal wurde sie in Form eines Brief beantwortet. Man wird erstmal mit nicht enden wollenden Paragraphen sensibilisiert, das das alles legal ist, was die Post Direkt GmbH mit meinen Daten anstellt bzw. wie die Post Direkt GmbH mit meinen Daten Geld verdient. Der Adesshandel ist ein lukratives Gesch├Ąft (9,5 Milliarden Euro Stand 2012 1) und wer hat schon so aktuelle Daten wie die Post Direkt GmbH, die ein Tochterunternehmen der Deutschen Post AG ist. Ein Schelm wer b├Âses denkt.

Man teilt mir mit, das lediglich meine Adresse (Name, Anschrift) gespeichert ist. Erstaunlich wie es der Post Direkt GmbH damit m├Âglich ist, zu beurteilen das ich mich f├╝r Immobilienfinanzierung interessiere. Ein Schelm wer b├Âses denkt.

Weiterhin teilt man mir mit, das die Herkunft der Daten (├╝bermittelnde Stelle) einer Speicherfrist von 2 Jahren unterliegt und diese Frist abgelaufen ist. Die Post Direkt GmbH kann oder will also keine Angaben ├╝ber die legale Herkunft der Daten machen. Ein Schelm wer b├Âses denkt.

Das Antwortschreiben lie├čt sich wie ein automatisierter Textbaustein dessen Wahrheitsgehalt nicht ├╝berpr├╝fbar ist. Die Post Direkt GmbH beruft sich auf die ├╝berschrittene Speicherfrist, was unterm Strich so viel hei├čt wie “Wir haben deine Daten, verraten aber nicht woher.”

Lust auf ein Experiment? Ihr seit innerhalb der letzten 2 Jahre umgezogen? Dann stellt doch einfach mal eine Auskunftsanforderung an die Post Direkt GmbH. Es w├╝rde mich nicht wundern, wenn auch hierbei die Speicherfrist ungl├╝cklicherwei├če ├╝berschritten ist. Ein bedauerliches Versehen!

Ich werde die Post Direkt GmbH nochmal kontaktieren und mir glaubhaft erkl├Ąren lassen, wieso ich aufgrund meiner Adressdaten in das Raster f├╝r Immobilienfinanzierung falle oder wo man diese funktionierende Glaskugel erwerben kann.

Randnotiz:

  1. Eine legale Herkunft der Daten w├Ąre z.B. das Einwohnermeldeamt. Die verdienen beim Adresshandel kr├Ąftig mit 2, wenn man dem nicht ausdr├╝cklich widersprochen hat.

  2. Bei all den Paragraphen die von der Post Direkt GmbH aufgez├Ąhlt werden, haben Sie vers├Ąumt auf den ┬ž 28 Abs. 4 Satz 1 BDSG hinzuweisen, der mir ein Widerspruchsrecht gegen die Nutzung oder ├ťbermittlung meiner Daten Zwecks Werbung einr├Ąumt.


  1. http://www.tagesspiegel.de/politik/adresshandel-so-funktioniert-das-geschaeft-mit-den-daten/6857990.html ↩︎

  2. http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadtreport_artikel,-Meldeaemter-verkaufen-Adressen-_arid,644936.html ↩︎