Was geht?

#privacy

Heute wurde mir die Frage gestellt warum ich Whatsapp nicht nutze. Die Frage hat mich den ganzen Tag beschäftig. In meinem Kopf macht es Sinn WA nicht zu benutzen, aber wie erklärt man das dem durchschnittlichen Neulandbenutzer, so das er es technisch versteht und im besten Fall zum nachdenken animiert wird. Für mich fällt das eher in die Rubrik „Wie erklärt man einem Blinden was Farben sind?“

Die Argumentation warum man solche Messenger besser nicht nutzen sollte, ist wahrscheinlich ähnlich schwierig, wie die Erklärung warum man eMails verschlüsseln sollte. Man sollte meinen, das die Leute in der PostSnowden Zeit sensibler auf den Umgang mit ihren privaten Daten reagieren. Es sind immer die selben gebetsmühlenartigen Phrasen die man zu hören bekommt.

„Ich habe ja nichts zu verbergen.“

„Das ist mir zu kompliziert.“

„Die App kostet ja Geld.“

„Den Messenger benutzt ja eh keiner.“

Ok, wenn du nichts zu verbergen hast, warum machst du zu Hause die Tür hinter dir zu? Weil es deine Privatsphäre ist und du nicht möchtest das jeder ungefragt durch deine Bude latscht. Oder wie Snowden es einmal formuliert hat:

„Arguing that you don’t care about the right to privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don’t care about free speech because you have nothing to say.“

Technisch gesehen mag Verschlüsselung für den Neulandbenutzer kompliziert erscheinen. Ich halte diese Argumentation für nur vorgeschoben, um die eigenen Bequemlichkeit nicht zu verlassen. Man muß nicht genau verstehen wie Verschlüsselung funktioniert. Dafür gibt es freie Tools oder kostenpflichtige Apps die einem die Arbeit abnehmen. Wenn du dir ein Smartphone im oberen 3stelligen Bereich leisten kannst, dann wohl auch ein paar Euro für zb. Threema.

Und damit sind wir beim eigentlichen Problem, es benutzt keiner sichere Messenger. Ich nutze selber Threema seit Jahren und habe exakt 2 Kontakte mit denen ich regelmäßig kommuniziere. Genauso wie ich nicht bereit bin WA zu nutzen, kann ich keinen meiner Bekannten dazu bewegen auf Threema o.ä. zu wechseln.

Es ist ein Teufelskreis. Gefangen in der eigenen Bequemlichkeit und dem Unverständnis das man selber zum Produkt wird.

Update 29.09.2015

Gerade taucht die Frage auf „Was nutzt mir Threema, wenn ich dann mit mir alleine chatte?“. Ein Punkt den ich in meinem Teufelskreis vergessen habe. Die Angst vor Isolation, das Gefühl man könnte etwas verpassen. Ich bin mir sicher, die wahren Freunde kennen im Notfall die Funktion eines Fernsprechers bzw. die primäre Aufgabe eines Handys.

Update 18.10.2015

Eine leicht verständliche Übersicht wie sicher ein Messenger ist, findet man bei der EFF.